Die Projektklasse

Bei allen Schwierigkeiten die Konzepte der Oberschule, die Integration von Förderschülern und die Konzepte der kommenden Inklusion umzusetzen stellen wir fest, dass wir durch unsere Oberschule viele Schüler besser erreichen können und  ihnen gerechter werden.
Wir sehen aber auch deutlich unsere Grenzen. Wir müssen Unterricht anbieten, der den schwachen Schülern ebenso gerecht wird wie den starken Schülern. Dies ist nicht einfach.

In diesem Schreiben möchte ich erläutern, wie wir den Schülern helfen wollen, die große Probleme haben, die Anforderungen in unseren z.T. sehr großen Klassen zu erfüllen.
Es geht um die Kinder, bei denen klar erkennbar ist, dass es schwierig wird, sie in unseren gemischten Klassen zum Hauptschulabschluss zu bringen, ohne dass sie die Freude am Lernen und an der Schule verlieren, denn das ist in der Vergangenheit häufiger der Grund für Schulverweigerung und störendes Verhalten gewesen.
Wir haben ein Konzept für eine "Projektklasse" erarbeitet. Diese Klasse wird nicht mehr als 16 Schüler haben und nur von 2 bis 3 Lehrern unterrichtet. Das Ziel ist das Erreichen eines Hauptschulabschlusses.
Wir werden uns gezielt an Eltern wenden, von denen wir glauben, dass diese Klasse für ihre Kinder eine große Erleichterung und Hilfe ist.
Auf einem extra Elternabend werden wir dann konkret über unsere Vorgehensweise berichten und mit Ihnen diskutieren.

Wir wollen die Schüler auffangen, die mit den Anforderungen „Schule 2012“ Probleme haben.
Die Gründe mögen vielfältig sein, die Ergebnisse immer gleich:

  • Schulunlust
  • Schulverweigerung
  • störendes Verhalten
  • keine Leistungsbereitschaft
  • Auffälligkeiten außerhalb des Unterrichts

Deshalb wollen wir diesen SchülerInnen durch veränderte Lernbedingungen die Chance ermöglichen, Schule anders zu erleben und zu leben und zum Hauptschulabschluss zu gelangen.
Wir verändern und legen besonderen Wert auf:

  • Lerninhalte mit hohem Lebenswelt- und Praxisbezug
  • Lernen anhand von Alltagssituationen
  • Individuelle Förderplanung
  • Konzentration auf Kernkompetenzen
  • Fächerverbindendes Lernen
  • Zwei verantwortliche Lehrer für die Klasse (mit vielen Stunden)
  • Veränderte Formen der Leistungsmessung
  • Würdigung individueller Verbesserungen
  • Entkopplung von Lern- und Leistungssituationen, d.h. Flexibilisierung der Lehrpläne
  • Textzeugnisse mit Notennennung

Individueller Förderplan

Um einen individuellen Förderplan zu erstellen, muss man die Schüler kennen und richtig einschätzen können. Dazu gehört auch das Umfeld, der Lebensraum der Schüler. Nur so kann erkannt werden, ob vorausgesetztes Material vorhanden ist oder beschafft werden muss.
Im Klassenverband wird von drei groben unterschiedlichen Lernniveaus ausgegangen: der mittlere befriedigend/ausreichende Bereich, der bessere Bereich mit selbstständig arbeitenden Schülern, der Bereich mit sehr schwachen Schülern.

Veränderte Formen der Leistungsmessung und deren Würdigung

Wie würdigen wir den ganz schwachen Schüler? Was erwarten wir von ihm? Wir wollen erreichen, dass er sein Material zum Arbeiten selbst besorgt und vor der Stunde auf den Tisch legt. Wir erwarten, dass er nicht stört und aktiv am Unterricht teilnimmt (Arbeitsphasen nicht zu lang bemessen und Unterbrechungen einplanen). Wir werden Arbeitsblätter so konzipieren, dass wir davon ausgehen, dass sie bearbeitet werden. Tafelanschriebe sind konzentriert ins Heft zu übertragen. Dabei wird immer ausreichend Zeit zur Verfügung gestellt. Wir erwarten im naturwissenschaftlichen Bereich, dass Versuche aufmerksam verfolgt werden und dass einfache Beobachtungen genannt werden. Wir würdigen jeden Beitrag der Schüler die Praxistage betreffend (Schüler machen Fotos, haben Ideen zum Ablauf dieser Tage usw.). Wir würdigen ihre Tätigkeiten, indem wir verstärkt Lob einsetzen.

Das reine abfragbare Wissen steht nicht mehr im Vordergrund!

Wir zeigen den Schülern ihre Fortschritte, indem wir Textzeugnisse ausstellen.

Es wird eine Kombination von Text- und Notenzeugnis angestrebt.

Wir glauben, dass wir Schulabsentismus und die damit verbundene Abbrecherquote senken können und hoffen, dass diese Schüler durch vertiefte Berufsorientierung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten.

Damit die Schüler sich nicht ausgegrenzt fühlen, wird es auch gemeinsamen Unterricht geben.
Wir denken an: Sport, Gestaltendes Werken, Technik, Hauswirtschaft, Musik, Religion/Werte und Normen durch Kollegen, die auch in Parallelklassen unterrichten.

Regelmäßige Praxistage für HW, Tech,Werken (auch andere Bereiche!) werden in den Plan integriert.

Die Klasse hat mindestens an zwei Tagen Unterricht bis 15.45 Uhr / Ganztagsunterricht (GT).

Ich hoffe, ich habe Ihr Interesse an diesem Konzept, an dieser Chance für die Kinder, geweckt.

Nehmen Sie einfach Kontakt mit dem Klassenlehrer oder direkt mit mir auf und kommen Sie zu dem Informationsabend, der Termin wird noch bekannt gegeben.

Benno Martens, Schulleiter