Nordseezeitung - 16.08.2010


Letzte Feinheiten: Lehrer und Regisseur Stefan Koppetsch probt mit seinem Ensemble das Schlussbild des Musicals „Chat“. Foto lie

Heißer Tanz um üble Chats

Heute Musical-Premiere in der Schule an der Mühle - Lehrer und Schüler mit riesigem Einsatz dabei

Bad Bederkesa. „Ruhe Bitte! Hinter der Bühne absolute Ruhe!“ Lehrer und Regisseur Stefan Koppetsch ist streng mit seinem Ensemble. Die Zeit ist knapp, die Aufregung förmlich spürbar: Heute feiern die Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses Musical in der Schule an der Mühle in Bad Bederkesa die Uraufführung ihres Musicals „Chat“.

„Kabale und Liebe im Medienzeitalter“ – so beschreibt Lehrer Andreas Schulz den Inhalt des Stückes: Zwei Mädchen kommen zum Schuljahresbeginn in eine neue Klassengemeinschaft. Schnell entwickeln sich Sympathien und Antipathien gegenüber den Neuen. Eine der beiden verliebt sich und treibt ein übles Spiel im Internetchat, um ihre Interessen durchzusetzen. Die andere Neue wird selbst via Internet „gedisst“. Die beiden sind aber nicht die einzigen, die so ihre Erfahrungen mit dem Internet machen: ein Pärchen sieht sich dem Cyber Mobbing ausgesetzt, eine andere Mitschülerin erlebt bei einem Vorstellungsgespräch unangenehme Überraschungen, und dann gibt es da noch den Außenseiter David, der seine Existenz durch einen Amoklauf „aufwerten“ will. Alles dreht sich um die modernen Medien, daher werden die Chats und SMS-Nachrichten für die Zuschauer auf einer Videoleinwand eingeblendet.

Zwei Jahre harte Arbeit

Hinter dem Team um Autor und Komponist Guido Tom Suden, Regisseur Stefan Koppetsch und dem musikalischen Leiter Peter Kolley liegen zwei Jahre harte Arbeit. Die Vorbereitungen begannen bereits im vorletzten Schuljahr.

Bemerkenswert ist, dass die Musiker zu Beginn der Proben zum größten Teil Anfänger waren und damit erstmal ihr Instrument lernen mussten. Dann hieß es Songs einstudieren, textsicher werden. Danach folgte die Arbeit an der Choreografie, an Gestik, Mimik und Ausdruck, schließlich die Koordination von Musikern, Sängern und Schauspielern mit Tontechnik und Beleuchtung und dem Team für den Auf- und Abbau. Das ganze vergangene Schuljahr arbeitete das Team intensiv, und sowohl Lehrer als auch Schülerinnen und Schüler opferten einen großen Teil ihrer Freizeit. Zuletzt hat Schulleiter Benno Martens sogar die Stundenpläne abgeändert, um gemeinsame Proben zu ermöglichen. In der einwöchigen Schlussphase ging es schon fast professionell zu – mit Probendisziplin, Catering zum Mittagessen und dem einen oder anderen stressbedingten „Ausraster“. (lie)

Auf einen Blick

Die Uraufführung findet heute um 18.30 Uhr im Forum des Schulzentrums an der Mühle statt. Weitere Vorstellungen sind am Sonntag, 15. August, und am Dienstag, 17. August, jeweils um 18.30 Uhr. Außerdem gibt es eine Sondervorstellung für interessierte Schüler anderer Schulen am Mittwoch, 18. August, um 10 Uhr. Für diese Vorstellung ist eine Anmeldung erforderlich.

Nordseezeitung - 18.08.2010


Die Premiere des Musicals ist geglückt: Die Schüler führten das Stück „Chat: ILD, da kennen wir uns aus…“ in Bad Bederkesa vor. Foto lie

Lehrstück auch für die Eltern

Autor und Komponist Guido tum Suden studiert mit Schülern Musical ein - Stehende Ovationen

Bad Bederkesa. „Chat: ILD, da kennen wir uns aus…“, wer jetzt nichts versteht ist nicht bei der Uraufführung des Musicals „Chat“ in der Schule an der Mühle in Bad Bederkesa dabei gewesen.

Autor und Komponist Guido tum Suden ist es gelungen, die Schwierigkeiten und Gefahren, die sich für Jugendliche in der heutigen Zeit ergeben, ohne den erhobenen Zeigefinger um die beiden neuen Schülerinnen Skara und Enna unterzubringen.

Kernpunkt ist der Umgang mit den neuen Medien, aber auch Probleme mit Drogen und Alkohol oder mit der Ausgrenzung einzelner Jugendlichen kommen dabei zur Sprache. Ein Lehrstück im besten Sinne auch für Eltern.

„Die Schüler des Wahlpflichtkurses „Musical“ haben einen Großteil ihrer Freizeit „geopfert“, lobte Schulleiter Benno Martens. „Nichts mit Party, Marty“ ergänzte Jil Kandzorra, die in dem Stück die Marielle spielt.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Vor vollem Haus spielten sich die Protagonisten nach anfänglicher Aufregung schnell warm und zogen die Zuschauer in die Handlung hinein. Auch der musikalische Teil gelang nach kleinen Anfangsschwierigkeiten mit der Tontechnik. Die stehenden Ovationen am Ende der Vorstellung hatten sich die Schauspieler und Sänger verdient.

Die Eltern freuten sich über die Leistungen ihrer Kinder. „Ich bin sehr stolz“, sagte die Mutter von Svenja Richt. Ihre Tochter spielt die Schülerin „Berit“, die mit allerlei Intrigen versucht, die beliebte Neue „Enna“ (die Rolle teilten sich Dunja Haberer und Anne Volkens) zu verleumd

Der Aufwand hat sich gelohnt

„Svenja kann ja eigentlich gar nicht böse sein. Das haben wir zu Hause geübt.“, schmunzelt ihre Mutter. Elisabeth Kahrs war ebenfalls stolz auf die Leistungen ihres Sohnes Jan-Dierk (Jesper). „Er hatte ja gar keine große Rolle, trotzdem ist er bei allen Proben dabei gewesen. Ich finde das toll was diese Schule alles macht“, sagte sie. (lie)

Auf einen Blick

Eine weitere öffentliche Aufführung des Musicals findet am Dienstag um 18.30 Uhr im Forum der Schule an der Mühle statt. Der Eintritt ist frei. Tipp an neugierige Teenager-Eltern: Zettel und Bleistift mitnehmen. Leichter kommt man nicht an die Geheimnisse der Chat-Sprache, die eigentlich „2hot4u“ ist – die Erwachsenen also nichts angeht.